Pia Parolin „Zwischen Himmel und Meer – Promenaden in Nizza /Entre ciel et mer – promenades à Nice“ … VERNISSAGE

VERNISSAGE / 20. Juni / 19.30 Uhr

Die Serie „Zwischen Himmel und Meer – Promenaden in Nizza“ besteht aus poppig bunten Fotos von vorbeiflirrenden Menschen auf der Meerespromenade in Nizza. Die Autorin Pia Parolin lebt seit 2005 an der Côte d´Azur und fängt schnell vergängliche Augenblicke und Begegnungen im bunten Treiben mit ihrem ganz eigenen Stil ein.

„Momente der Promenade sind ephemere Begegnungen von Passanten, Momente der Freude und Entspannung für Familie und Freunde. Touristen genießen die spektakulären Farben, die selbst der Regen nicht auslöschen kann. Soldaten sind Teil der Promenade geworden, auf der Kinder glücklich spielen. Menschen bleiben stehen und sehen in die Unendlichkeit des blauen Meeres. Momente und Bewegungen umgeben uns an einem Ort, an dem das Böse sich versuchte, die Freiheit des täglichen Lebens voller Leichtigkeit und Licht jedoch vorherrscht.“ Die Fotoserie, ursprünglich „Promenade Moments“ genannt, wurde von Dr. Pia Parolin zwischen 2016 und 2019 erstellt. Seit 2005 lebt sie im Hinterland von Nizza an der Côte d‘Azur, in Südfrankreich. Ihre Freizeit verbringt sie gerne mit ihrer Kamera unter anderem auf der Promenade des Anglais, mit Meer und Sonne und dem bunten Treiben – ein erfolgreiches Antidepressivum in einem schwierigen Moment des Lebens. Am Abend des Anschlags des 14. Juli 2016 waren auch ihre Kinder für das Feuerwerk in Nizza und konnten bei Unbekannten übernachten. Erst am Folgetag konnte sie sie nach Hause holen. Aber wie viele andere hatten nicht dieses Glück! Sie möchte das Glück teilen, das sie zurückgewinnen konnte. Das Ergebnis sind diese farbenfrohen, positiven, fröhlichen Bilder, diese Momente auf der Promenade voller Leben und Licht. Dr. Pia Parolin ist autodidaktische Fotografin. Sie ist habilitierte Biologin aus Mailand, studierte in Bielefeld und Hamburg, war viele Jahre als Max-Planck-Forscherin am Amazonas und als Privatdozentin am Botanischen Institut der Universität Hamburg tätig, bevor sie in Frankreich an ein Institut zur Forschung an biologischer Schädlingsbekämpfung wechselte. Sie ist leidenschaftliche Fotografin seit dem Tag ihrer Erstkommunion, an dem ihr Vater ihr eine Minolta schenkte und ihr erklärte, wie man den Bildausschnitt und die richtige Belichtungszeit wählt. Ihre erste fotografische Ausstellung hatte sie mit ebendieser Serie „Promenade Moments“ in Menton, Frankreich, und erhielt ad hoc den ersten Preis („Prix de l‘Affiche“). Weitere Ausstellungen und Veröffentlichungen sowie Vorträge in mehreren Ländern folgten. Neuere Projekte drehen sich um „People in Museums“, „Street Photography“ im Allgemeinen, um die Verbindung zwischen Naturschutz und Fotografie, und um das Teilen der fotografischen Leidenschaft. Daher ist sie aktiv in verschiedenen Künstlervereinigungen, Sekretärin des „Antibes Photo Club“, und beherbergt in ihrer privaten „Galerie des Pins“ Künstler zwecks Diskussionsrunden, Workshops und gemeinsamer Kreativität.

 

Fünf Fragen an Pia Parolin

 

Wie sind die Fotografien dieser Serien entstanden?

Ich verbringe gerne meine Freizeit in der Nähe des Meers mit seinen Farben und der wunderbaren Sonne. Bei der Idee, mich mehr auf meine Fotografie zu konzentrieren, lag es nahe, einen Ort aufzusuchen der mir gut tut und gleichzeitig voller Leben ist.

Die Serie mit unscharfen farbenfrohen Bildern von der Promenade des Anglais in Nizza wurde mit einer Olympus EM5-II, mit Stativ und Kabelfernsteuerung aufgenommen. Es sind alles natürliche, nicht gestellte Ablichtungen von Menschen auf der Promenade von Nizza. Kein Bild ist künstlich komponiert, geschnitten oder neu zusammengesetzt. Meine Grundidee ist, das Bild in seiner endgültigen Form direkt mit der Kamera aufzunehmen; daher beschränke ich die Nachbearbeitung am Computer auf ein Minimum.

 

Was lieben Sie besonders an Nizza?

An Nizza gefällt mir, dass es einerseits sehr städtisch ist und entsprechend vieles bietet was mir an einer großen Stadt gefällt: Kultur, schöne Cafés und Restaurants, moderne Geschäfte, wunderbare Museen. Das bunte Treiben mit einer Mischung verschiedenster Menschen ist natürlich für mich als Street Fotografin besonders spannend. Gleichzeitig strahlt die Stadt aber auch diese Entspanntheit eines Urlaubsortes aus, durch die unendliche Promenade entlang des Meeres im direkten Stadzentrum. Ich kann mich unauffällig in das Ferienleben einfügen und fühle mich dabei selbst als Touristin, was durchaus positiv behaftet sein kann: in der eigenen Stadt die Dinge entdecken, für die andere weit anreisen, ist doch wahrhaft ein Privileg!

 

Wie haben Sie und Ihre Familie die Zeit nach dem Terroranschlag 2016 erlebt?

Am 14. Juli 2016, dem französischen Bastille Day, wurden an der Uferpromenade Promenade des Anglais in Nizza (Frankreich) bei einem Mörderangriff 86 Menschen getötet und fast 500 verletzt. Viele Familien, viele Leben werden nie mehr dieselben sein. In dieser Nacht versammelten sich Tausende von Menschen zum Feuerwerk, um Frankreich, das freie Leben und das Glück eines freiheitlich demokratisch verantwortlichen Landes zu feiern.

Meine Teenager-Kinder und mein Aupair-Mädchen waren in dieser Nacht auch dort. Irgendwann riefen sie mich an weil es Schüsse gab und viele Menschen rannten und sie nicht wussten was passierte. Ich wusste es im 20km entfernten Biot auch nicht! Erst später kamen im Radio die Nachrichten über den mörderischen Lastwagen. Wir haben dann die ganze Nacht telefoniert. Ich wollte sie gerne abholen, aber es hätte keinen Sinn gemacht, nach Nizza zu fahren, alles war blockiert und es herrschte Chaos und Angst. Meine Kinder konnten bei unbekannten Menschen spontan übernachten. Am Folgetag fuhr ich dann morgens mit dem Auto nach Nizza um sie abzuholen. Überall waren Polizisten und Menschen die halfen wo sie konnten. Ich brachte meine Kinder zurück. Als wir nach vierstündiger Fahrt für 20 km durch die abgesperrte chaotische Stadt alle wieder unversehrt zu Hause ankamen, waren wir die glücklichsten Menschen die man sich denken kann und fingen erstmal alle erleichtert an zu weinen. Aber wieviele können nicht dasselbe sagen!

 

Woran arbeiten Sie gerade (Fotografie)?

Meine neue Fotoserie dreht sich um das alltägliche Leben in Städten, mit Licht- und Schatteneffekten. Ich möchte auf künstlerische Weise dokumentieren was heute „normal“ und schon morgen interessant ist. Als „Street Fotografin“ lasse ich keine Gelegenheit aus, alltäglich Erscheinendes zu fotografieren.

Mein Anliegen als habilitierte Biologin und Ökologin ist es aber auch, die Fotografie zusammenzuführen mit meinem Wunsch und Bedürfnis, die Natur und Artenvielfalt zu schützen. Ich befinde mich auf der Suche nach einer innovativen und kreativen Art, ohne zu missionieren den Menschen die Schönheit und Fragilität unserer Natur ins Bewusstsein zu bringen. Auf diese Weise möchte ich mit der Fotografie dazu beitragen, die ökologischen Gleichgewichte vor der Zerstörung zu bewahren.

 

Auf welches französische Etwas in Ihrem Leben möchten Sie als Deutsche keinesfalls mehr verzichten? Oder andersherum gefragt: Welches französische Etwas sollte Ihrem Geschmack nach noch viel verbreiteter in Deutschland sein?

Ich genieße es, daß ich auch von Unbekannten überall respektvoll und mit freundlichem Augenkontakt gegrüßt werde. Manchmal habe ich das Gefühl, in Deutschland setzen wir zuviel Gewicht auf das schnelle effiziente Abarbeiten unseres Tagesplans, statt uns einfach mal treiben zu lassen und die Menschen, denen wir begegnen, überhaupt wahrzunehmen. Und das Zelebrieren des guten Lebens mit einfachen Mitteln, im normalen Alltag können die Franzosen sehr gut, besonders am Mittelmeer. Egal wie wenig Zeit sie eigentlich haben, es wird im Sitzen gegessen und zwar einen Gang nach dem anderen. Ich kann inzwischen, nach 15 Jahren, selbst nicht mehr mit einem Brötchen oder Eis in der Hand durch die Stadt rennen! Und bin dankbar, dass mir die Franzosen dieses beigebracht haben.