Alexandre Silberman „Die große Schönheit – oder ganz große Kunst“

VERNISSAGE / 20. Juni / 19.30 Uhr / Moritzhof, HofGalerie für Fotokunst

Alexandre Silberman, Multitalent der modernen Medien, vertauscht als Regisseur in seiner Fotoserie „Mensch im Museum“ die Rollen: der Museumsbesucher steht im Mittelpunkt, das Museum und dessen Werke großer Kunst werden zur Kulisse. Die beiden größten Pariser Museen, der Louvre und das Museum d’Orsay und Versailles sind der Schauplatz für seine Inszenierungen der besonderen Art: Chinesische Touristinnen mimen eine Choreographie der smartphones; ein junges Paar wird unter der dramatischen Lichtführung von Alexandre Silbermann zu Isolde, die ihren traurigen Tristan tröstet, oder ist es nur ein museumsmüder Krieger der jungen Generation? Die Moderockerin in schwarz inspiriert sich vor der Draperie der antiken Choristin, ein Sonnenstrahl auf eine japanische Touristin erweckt diese zur antiken Heldin vor rot-schwarzer Tonmalerei auf attischen Vasen. Silberman’s Nike schreitet in Begleitung von vier Kämpfern in Camouflage Design die große Treppe zum Original von Samothrake empor. Die Suche des Fotografen nach Schönheit verwandelt die Besucher, das Erlebnis Kunstmuseum wird zum Gesamtkunstwerk, das Silberman klug und mit kunst- und liebevollem Bild des Humanisten fixiert. Jedem Akteur dieser Kunstwelt wird seine Rolle, sein Bild reserviert: auch ein Obdachloser findet hier Platz im Schutz vor den Napoleon gewidmeten, aber leider verschlossenen Pforten, die fliegenden Händler aus aller Welt strandeten – vielleicht nur vorübergehend – auf den Sandflächen vor dem Musentempel. Eine melancholische Schönheit leert die Eimer und gönnt sich einen Blick ins Licht nach oben, der Museumswärter wacht wie eine reglose Skulptur. Silberman inszeniert ein spannendes Rollenspiel für Jedermann. Sein Blickwechsel ist unaufdringlich und lächelnd. Er untergräbt dabei die Hemmschwelle vor dem imposanten Selbstverständnis des europäischen Kunstmuseums und dessen allzu selbstgefälliger Kundschaft.

Generation Revolte – Der Mai 68 in Europa und seine Folgen

VERNISSAGE & GESPRÄCH / 22. Juni / 18.00 Uhr / Halle, Ratshof

Die sozialen Proteste des Jahres 1968 sind in vielen Ländern Europas zu einem wichtigen Markstein in der nationalen Geschichte geworden. Die Studentenproteste hatten in den einzelnen Ländern verschiedene Beweggründe und nahmen z. B. in Frankreich und Deutschland einen ganz unterschiedlichen Verlauf und dennoch führten sie in einem gesamteuropäischen Reflex zu einer grundlegenden Neuordnung von Denkweisen und Geisteshaltungen. Bei den Plakaten handelt es sich um Nachdrucke künstlerisch herausragender grafischer Entwürfe, die 1968/69 in den Werkstätten der Pariser Kunsthochschulen „Les Beaux Arts“ und „Les Arts Décoratifs“ entstanden sind. Am 14. Mai 1968 haben die Studenten die Kunsthochschulen besetzt und in den universitätseigenen Grafikwerkstätten in eigener Regie unter dem Label „Atelier populaire“ diese Plakate im damals neuartigen Siebdruckverfahren Stück für Stück in Handarbeit hergestellt. Seit dieser Zeit haben die Plakatentwürfe in Frankreich Kultstatus. Sie sind berühmte Zeichen einer einschneidenen Epoche der gesellschaftlichen Protestkultur Frankreichs.

Das Gespräch mit Prof. Dr. Wolfgang Kraushaar (Politikwissenschaftler, Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur) wird spannend, denn auch nach einem halben Jahrhundert gibt es noch immer viele offene Fragen, die einer klaren Deutung der 68er-Bewegung entgegenstehen. Unter ihnen stechen einige besonders hervor: Welche Rolle spielten Pop- und Rockmusik als Multiplikatoren des Protests? Welchen Stellenwert besaßen neue Aktionsformen wie Happenings, Sit-Ins sowie Teach- Ins? Das wird jenseits der üblichen Muster von Verdammung oder Idealisierung in einem Licht betrachtet, deren Scheinwerfer nicht in der Vergangenheit, sondern in der Gegenwart stehen.

Kunstausstellung „La vierge noire – Fotografie trifft Malerei“

AUSSTELLUNG / 27. Mai bis 05. September / Büden (Stadt Möckern), Kirche St. Mauritius / 21.Juni bis 14. Juli - Samstag von 14.00 bis 16.30 Uhr, Sonntag von 14.00 bis 18.00 Uhr

Die diesjährige Kunstaustellung des Büdener Vereins Mauritius e.V. aus der Reihe „Kunst und Kirche“ präsentiert Arbeiten der Pariser Künstlerin Colette Deblé und des Möckeraner Fotografen Frank Piassek. Die Werke der beiden Künstler sind im deutsch-französischen cross-over-Projekt „La vierge noire – Fotografie trifft Malerei“ entstanden.

Der Fotograf, inspiriert durch Licht und Ort, hat im Mai und September 2017 in der profanisierten Büdener Kirche mit der gebürtigen Nigerianerin und in Paris lebenden Schauspielerin Faith Obae sowie mit einem Model aus Niedersachsen gearbeitet. Entstanden sind Portraits, die unterschiedliche Facetten der Portraitierten wiedergeben sowie Serien, die sich im Wesentlichen mit der Darstellung der Frau im sakralen Raum im klassischen Teilakt oder Akt auseinandersetzen. Die Künstlerin Colette Deblé arbeitet seit den 1990iger Jahren an einem Projekt, das die Darstellung der Frau in der Kunst von der Antike bis zur Gegenwart reflektiert. Auf ihrer künstlerischen Zeitreise fertigt sie Zitate von Kunstwerken aller Epochen, wobei sie alles Männliche der Ursprungswerke radikal in ihren Verfremdungen entfernt. Der Titel der Ausstellung leitet sich von den schwarzen Madonnen ab, die man oft in Frankreichs Kirchen findet. Daher präsentiert Colette Deblé zusätzlich auch einige Arbeiten zu Abbildungen von Frauen im sakralen Räumen unseres Nachbarlandes Frankreich sowie zu Äbtissinnen des Quedlinburger Damenstifts.