Martin Kohlstedt  

"Ströme"

Der Konflikt steht Kohlstedt ins Gesicht geschrieben. Dabei ist es egal, ob sich der Komponist und Pianist für einen Moment mit dem Publikum verbindet oder wieder in sein Refugium aus Klaviaturen für Stahlsaiten und Synthesizer versinkt. Unnachgiebig sucht sein Blick, fühlt sich durch irgendeinen Raum und ist damit dem Kopf meist um herzzerreißende Augenblicke voraus. Als Musiker ist das ein Wagnis, ein provoziertes wie provozierendes Spiel am Rand der eigenen Kontrolle – als Komponist dagegen hat das Konzept. Denn für die Energie und Unberechenbarkeit seiner Konzerte ist er durchaus berüchtigt und hat es damit von der Russischen Staatsbibliothek über die iranische Talar-e Rudaki bis in den ausverkauften großen Saal der Hamburger Elbphilharmonie gebracht. Doch man findet bei all dem keine Attitüde der großen Inszenierung wegen, nur eine andere Art, Musik zu denken und mit ihr zu kommunizieren: Es gibt keine Werke, dafür kompositorische Versatzstücke, deren Kraft in dem Potenzial ihrer Kombinierbarkeit und Variationen liegt. Diese Module, wie Kohlstedt sie nennt, ergeben gerade in ihrer Verbindung unvorhersehbare Pointen und Konflikte.

Das Interdisziplinäre liegt ihm, dem Getriebenen, der nie wirklich in der Klassik heimisch wurde. So studierte er Medienkunst an der Bauhaus Universität Weimar und bis heute komponiert er regelmäßig für internationale Filmemacher oder wirkt an der Produktion von Hörspielen und Theaterstücken mit.

»Ströme« macht sich seine Erfahrung zunutze, und die seiner langjährigen Wegbegleiter, das Aufeinandertreffen beider ganz für sich stehenzulassen und als Experiment die Möglichkeit des Scheiterns zu geben. Das Ergebnis ist pure Dynamik, voll von monumentalen Verwerfungen und zarten Annäherungen, aber befreit von jeder Angst vor dem, was Klassik sein darf.

„Martin Kohlstedt erzählt Filme mit seinen Fingern.“ (ZEIT Online)

„Seine Kompositionen wechseln blitzschnell vom melodieverliebten Wohlklang in rhythmische Hetzjagden, dabei ist Kohlstedts Spiel so expressiv und dynamisch, dass eine unmittelbare wortlose Kommunikation mit dem Publikum entsteht. In dieser Form ist solch eine Intimität in der deutschen Musiklandschaft wohl einzigartig.“ (Detektor.fm)

„Der extrem minimale Ansatz, die Schönheit in den detailverliebt arrangierten Figuren, die karge mathematische Ausformung einzelner Sequenzen werden zum Sog. Seine Musik ist Zeitraffer und Super Slow Motion zu gleichen Teilen.“ (ARD / SWR)

KONZERT

Datum:

Freitag,  22. November 2019 | 20:00 Uhr

Ort:

Scheune

Weitere Informationen:

Nachhören: martinkohlstedt.com

Eintritt: 18 Euro VVK  /  22 Euro AK

Copyright: J. Konrad Schmidt

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