Martin Kohlstedt 

"Strom"

Sein Opus »Strom« ist ein Handstreich der Unbarmherzigkeit, das Klavier den Elementen auszusetzen. Im Fluss der 9 Stücke löst sich der Komponist auf und macht Musik in ihrer ureigenen Dynamik erfahrbar. Man wird Zeuge davon, wie sich Nähe und Intimität zu Weite und Gewalt wandeln, sowie Schönheit in alledem zu finden ist – vor allem aber im Vergehen. Konsequent entwickelt »Strom« dabei verschiedenste Formwelten, erscheint neblig gefährlich, dann wieder ganz direkt, fast verspielt, bis hin zum Erstarren vor der eigenen Größe. Allerdings wurden für »Strom« keine Pointen erdacht und keinerlei Maß genommen. Stattdessen wirkt es so, als ob Martin Kohlstedt es geschafft hätte, der Intuition ein Monument zu bauen.
Dabei sind unabänderliche Denkmäler gar nicht Kohlstedts Spezialität, ganz im Gegenteil. Bekannt geworden ist der Thüringer vor allem für die Energie und Unberechenbarkeit seiner Konzerte. Nach zwei Solo-Piano Alben legte er Schablonen für das Instrument ab und entwickelte seine eigene Selbstverständlichkeit, Elektronik und Effekte so zu spielen, als seien sie nur weitere Tasten auf der schwarzweißen Klaviatur. »Strom« sein drittes Studioalbum und ebenso ein Destillat dieser Entwicklung wie auch ein Blick in die Zukunft: Bevor der Komponist auf sein Publikum trifft, prallt er in diesem Raum mit sich selbst zusammen. Inszenierung ist hier fehl am Platz. Sound und Struktur treten hinter den Wunsch, mit der Musik andere Orte zu erreichen. Man hört dem nach – seinen Händen, die all die Arbeit verrichten, feinfühlig und größenwahnsinnig zugleich. Und bleibt doch ganz bei sich, wie auf seinen Konzerten. Mehr braucht man über Martin Kohlstedt nicht zu wissen.

„Martin Kohlstedt erzählt Filme mit seinen Fingern.“ (Zeit Online)

„Martin Kohlstedt begeistert zwischen den Stühlen mit experimentellem Sound jenseits der gängigen Grenzen von Klassik und Pop.“ (MDR Kultur)

KONZERT

Datum:

Samstag,  12. Mai 2018 | 20:00 Uhr

Ort:

Scheune

Weitere Informationen:

Nachhören: martinkohlstedt.com

Eintritt:  15 Euro VVK  /  18 Euro AK

Copyright Bild: Mike Zenari

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